
Gedanken zur Weihnachtszeit
23.12.2025Luft, Lärm, Leid: Warum private Pyrotechnik nicht mehr passt
Lasst uns auf Feuerwerk komplett verzichten. Nicht aus Bevormundung, sondern aus Verantwortung. Ich sage das nicht nur als Oberbürgermeister, sondern auch als Mensch, der jedes Jahr dieselben Bilder sieht und dieselben Folgen verantworten muss.
Halbherzige Lösungen helfen nicht. Weder zeitlich begrenzte Regelungen noch lokale Verbotszonen. Auch ein Verkaufsverbot nur in einzelnen Bundesländern oder Kommunen führt am Ziel vorbei. Es erzeugt Feuerwerkstourismus, Umgehungen und neue Belastungen. Erfurt ist dabei nur eines von vielen Beispielen: Trotz ausgewiesener Verbotszone kam es dort zu einem Dachstuhlbrand. Solche Vorfälle zeigen jedes Jahr aufs Neue, dass lokale Regelungen keinen verlässlichen Schutz bieten. Wenn wir handeln, dann bundesweit und klar.
Auch eine Verteuerung nach dem Prinzip einer Zweiklassengesellschaft ist kein Weg. Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz dürfen keine Frage des Geldbeutels sein.
Die Schäden sind offensichtlich. Menschen werden verletzt, Einsatzkräfte angegriffen, Tiere geraten in Panik, Luft und Umwelt werden massiv belastet. In diesen wenigen Stunden erleben viele Menschen Angst, Stress und gesundheitliche Überforderung. Für Haus- und Wildtiere bedeutet der Lärm oft blanke Panik mit teils tödlichen Folgen. Hinzu kommen erhebliche Sachschäden sowie vermüllte Städte, deren Reinigung hohe Kosten verursacht, die am Ende wir alle tragen.
Zunehmende Vermummung, Aggressivität und der Missbrauch von Pyrotechnik verschärfen die Lage zusätzlich und untergraben das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum.
All das steht in keinem Verhältnis zu einem Vergnügen von wenigen Stunden. Tradition allein rechtfertigt diese Folgen nicht. Gleichzeitig dürfen wir die privaten Händlerinnen und Händler sowie kleinen Betriebe nicht vergessen, für die Feuerwerk bisher die Lebensgrundlage ist. Ein Verbot muss fair begleitet werden, etwa durch einmalige Entschädigungen, Umstiegs- oder Unterstützungsprogramme.
Wenn privates Feuerwerk verboten wird, braucht es Alternativen. Ich persönlich kann mir gut vorstellen, auch in Altenburg auf ein zentrales, professionell organisiertes Feuerwerk oder moderne Licht- und Drohnenshows zu setzen. Sie können Gemeinschaft schaffen, sicherer sein und Mensch, Tier und Umwelt deutlich entlasten.
Mein Appell an die Bundesregierung ist klar: Beenden wir den Flickenteppich aus Ausnahmen, Bundesländerregelungen und Verbotszonen. Übernehmen wir gemeinsam Verantwortung. Ein bundesweites Verbot von privatem Feuerwerk ist kein Verlust an Lebensfreude, sondern ein Gewinn an Sicherheit, Respekt und Zukunft.
